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Auf dem Weg ins Zeitalter der mannlosen Blechfertigung

Aktualisiert am: 11.10.2006 15:09
Matthias Remmert, Geschäftsführer der REMMERT-Unternehmens-familie, zur perfekten Verknüpfung von Lager und Produktion, konsequent umgesetzter Prozessautomation und das zukünftige Potential intelligenter Sortier- und Robotertechnik.

Redaktion: Herr Remmert, Blech verarbeitende Unternehmen suchen ständig nach neuen Möglichkeiten, ihre Produktion noch effizienter zu gestalten. Wo sehen Sie in diesem Bereich zurzeit das größte Optimierungspotenzial?

Matthias Remmert: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die kostenoptimierte Blechbearbeitung ist ein perfektes Materialhandling. Der Fokus liegt dabei nicht allein auf einer raumoptimierten Lagerung oder dem schnellen Zugriff auf das bevorratete Material. Vielmehr gilt es, die perfekte Verknüpfung von Lager und Produktion zu realisieren. Das heißt, die beiden bislang zumeist als separate Bereiche angesehenen Elemente müssen heute als Gesamtproduktivzelle gestaltet werden. Das perfekte Ineinandergreifen von Bevorratung, Materialhandling und Verarbeitung gewährleisten flexible Leitstandsysteme. Sie fungieren als intelligentes Bindeglied innerhalb der Fertigungszelle und steuern bzw. optimieren alle Lager- und Bearbeitungsprozesse. Die besondere Raffinesse des Softwareeinsatzes besteht darin, neben CNC-Maschinen auch jeden beliebigen manuellen Bearbeitungsschritt optimal in den Fertigungsprozess zu integrieren. Beispielsweise lassen sich auf diese Weise Prozesse wie Schweißarbeiten oder Lackierungen sowohl kapazitiv als auch zeitoptimiert steuern und kontrollieren. Die Vorteile solch vollintegrierter Blechbearbeitungszellen liegen auf der Hand: Deutliche Produktivitätssteigerungen sowie erheblich reduzierte Personalressourcen sind die Folge.

Redaktion: In welchen Bereichen erwarten Sie in der nahen Zukunft innovative Produktentwicklungen, die den Blech verarbeitenden Unternehmen neue Impulse geben?

Matthias Remmert: Es wird natürlich verschiedenste Produktweiterentwicklungen geben, bspw. hinsichtlich der Geschwindigkeit und Leistungsstärke von Blechbearbeitungsmaschinen. Diese Veränderungen bringen sicherlich weitere Fortschritte, meiner Meinung nach aber keine Revolution. Der Bereich, der mit Abstand das größte Potenzial birgt, ist eine konsequent umgesetzte Prozessautomation, d.h. der Ausbau des mannlosen Produktionsablaufs im Bereich Blech. Viele Unternehmen sprechen schon heute von mannloser Fertigung, setzen aber oftmals lediglich eine mannarme Produktion um. Insbesondere die Absortierung von Fertigteilen an Lasermaschinen wird größtenteils manuell umgesetzt, da die heutigen Sortiersysteme wenig prozesssicher sind und großen technischen Einschränkungen unterliegen. Hier sind sowohl die Hersteller von Bearbeitungsmaschinen als auch Automationsexperten gefragt, intelligente Sortier- und Robotertechnik zu entwickeln, die eine vollständige Automatisierung der Blechverarbeitung gewährleisten. Der Anspruch an die Systementwickler liegt hier zugegebenermaßen extrem hoch: Die Systeme müssen die prozesssichere Absortierung von Fertigteilen unterschiedlichster Abmessungen und Konturen ermöglichen. Darüber hinaus müssen die Roboter mit einer intelligenten und dynamisch arbeitenden Sortiersoftware ausgestattet sein, die sich über eine Schnittstelle zum Leitstandsystem problemlos in die bestehende Softwarearchitektur integrieren lässt.


























Redaktion: Wie lautet Ihre Vision für die Blechbearbeitungstechnologie im Jahr 2010?

Matthias Remmert: Innerhalb der kommenden vier Jahre wird ein Großteil der Blech verarbeitenden Unternehmen vollintegrierte und vollautomatisierte Fertigungsprozesse umsetzen: angefangen bei der automatischen Lagerung und Zuführung der Artikel zur Bearbeitungsmaschine über perfekt ineinandergreifende Bearbeitungsprozesse bis hin zur intelligenten Absortierung der Fertigteile durch innovative Robotertechnik. Dabei sollte es das vorrangige Ziel von Forschung und Entwicklung sein, Blechbearbeitungsmaschinen mit integrierter Robotertechnik zu kreieren, die als kombiniertes System auch bei weniger komplexen Blechbearbeitungsprozessen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Letztendlich wird der Einsatz von Robotertechnik und dynamischer, offlineprogrammierter Leitstandsoftware in vollintegrierten Blechbearbeitungszellen vielen Unternehmen erstmals die Möglichkeit einer vollkommen mannlosen Blechfertigung bieten.